BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER

von max frisch
Ein Lehrstück ohne Lehre
WERTE SCHAFFEN. WERTE TEILEN. WERTE ERKENNEN.

Das Stück

Es klingelt an der Tür. Herr Biedermann bekommt Besuch. Zwei Fremde. Ein Auftritt – verstörend und bizarr. Benzin auf dem Dachboden. Ein Abend voll schwarzen Humors über die Kunst, das Offensichtliche nicht sehen zu wollen.

Gerade noch liest Biedermann, wohlhabender Hausbesitzer und Haarwasserfabrikant, in der Zeitung von einer Serie von Brandstiftungen. Er ist empört. Nun stehen zwei zwielichtige Hausierer vor seiner Tür. Biedermann gewährt ihnen Unterkunft auf seinem Dachboden. Als sie Benzinfässer hinaufschaffen, ist die Gefahr nicht mehr zu übersehen. Doch lieber hält er an seinem Bild vom anständigen Menschen fest, als dem Offensichtlichen ins Auge zu sehen.

Biedermann und die Brandstifter ist Max Frischs berühmtestes Theaterstück, eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bühnenwerke überhaupt – und längst ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur.

Max Frisch nennt seine Farce ein „Lehrstück ohne Lehre“. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, fragt das Stück, welche gesellschaftlichen Haltungen eine autoritäre Entwicklung erst möglich machten. Der gelernte Architekt Frisch entwirft dafür eine präzise Modellsituation. Schnell erkennen wir: Wir alle tragen etwas von Biedermann in uns. Doch wer sind die Brandstifter – und warum werden sie nicht aufgehalten?

Wie funktionieren die Mechanismen, mit denen Menschen unbequeme Wahrheiten verdrängen, verharmlosen und so lange umdeuten, bis sie wieder ins eigene Weltbild passen. Wo verlaufen die Grenzen zwischen Anstand und Opportunismus, zwischen Ehrlichkeit und Anpassung? Und wie unmerklich verschieben sie sich?

Erkenntnisreich und womöglich unangenehm wird der Abend, wenn diese bequeme Umdeutung nicht mehr funktioniert. Dann richtet sich der Blick nicht auf das vermeintlich Fremde sondern auf Biedermanns Verhalten gegenüber einer offen auftretenden autoritären Gefahr: sein Verharmlosen, sein Opportunismus, seine Angst vor dem Konflikt und sein Wunsch, trotzdem als guter Mensch zu gelten.

            Gut, besser, bestialisch. (Edward Albee)

Frisch zwingt niemanden zur Erkenntnis. Gerade darin liegen Stärke und Tücke seines Lehrstücks ohne Lehre. Ein Abend ohne eindeutige Etiketten, aber mit vielen Leerstellen – über Menschen, die wissen, ironisieren und sich aus Opportunismus anpassen.

Wo endet Verdrängung, wo beginnt Zynismus? Wann gibt der Mensch seine Verantwortung ab und erfüllt nur noch seine Rolle?

                        Komisch, böse und bizarr.
                               Homo homini lupus.
                             Titus Maccius Plautus

REGIE:
SVEN GRUNERT

ES SPIELEN:
KATJA AMBERGER
STEFAN LEHNEN
ANDREAS SIGRIST

VERTRAGSRECHTE DER INSZENIERUNG:
SUHRKAMP VERLAG GmbH

FOTO:
KLEINES THEATER – KAMMERSPIELE LANDSHUT (S.G.)

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