FRÄULEIN FRÄULEIN

EIN BÜHNENDUELL

Das Stück

FRÄULEIN! FRÄULEIN! Ein Bühnenduell mit Arthur Schnitzlers Fräulein Else und August Strindbergs Fräulein Julie. Zwei Texte. Zwei Körper. Ein Wort, in dem eine ganze Gesellschaftsordnung steckt. Aus Monolog und Dialog entsteht ein surreales, spannungsgeladenes Wortgefecht um Sprache, Begehren und Selbstbestimmung.

„Fräulein Else, bitte an die Hotelpforte.“ Eine Frau wird aufgerufen. Doch wer soll da kommen: Else, Julie, eine Tochter, ein Fräulein oder eine Schauspielerin? Arthur Schnitzlers Fräulein Else, ein Schlüsseltext der Wiener Moderne, spielt in einem eleganten Hotel. Else erhält einen Brief ihrer Mutter. Um den finanziellen Ruin und die drohende Verhaftung des Vaters abzuwenden, soll sie den wohlhabenden Dorsday um Geld bitten. Doch seine Hilfe hat einen Preis: Er will Else nackt sehen. Ihr Körper wird zur Verhandlungsmasse einer bürgerlichen Männerwelt.

August Strindbergs Fräulein Julie, ein Hauptwerk des Naturalismus, führt in die Küche eines gräflichen Hauses. Es ist Mittsommernacht. Der Vater ist abwesend und beherrscht dennoch den Raum. Zwischen seiner Tochter Julie und dem Diener Jean beginnt ein gefährliches Spiel um Begehren, Klasse und Macht. In der Inszenierung prallen beide Werke aufeinander. Eine Schauspielerin bewegt sich zwischen Else und Julie, zwischen Hotel und Küche, im inneren Monolog und äußeren Machtkampf. Ihr gegenüber steht ein Schauspieler. Er ist Jean, aber nicht nur: Er verkörpert wechselnde Stimmen, Figuren und Haltungen aus beiden Texten: Vater, Verführer, Diener, Gegenüber und Echo. Mal agiert er synchron mit der Schauspielerin, mal fällt er ihr ins Wort, widerspricht ihr oder treibt ihre Gedanken weiter. So wird der Monolog zum dialogischen Spiel und der Innenraum des Bewusstseins zu einer surreal- dramatischen Arena.

Im Zentrum steht das Wort „Fräulein.“ Die Anrede bezeichnet, verkleinert und klassifiziert eine unverheiratete Frau. Ein männliches Gegenstück gibt es nicht – der Herr bleibt Herr. Aus der Kollision der Texte, Stimmen und Körper entsteht ein theatrales Battle: Was geschieht, wenn die Frau sich weigert, auf den Zuruf zu reagieren? Wenn aus Fräulein Else und Fräulein Julie endlich Else und Julie werden? Und lässt sich für beide ein anderer Ausgang spielen?

KREATIVTEAM – IDEE, KONZEPT UND TEXT:
SVEN GRUNERT

ES SPIELEN:
ANDREAS SIGRIST
NICOLA TRUB

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