kt logo website

fb yt insta vimeo

 BMWGroupNext WerkLandshut Grey CMYK kl

Image
Image
Image
Image

DIE WAND
VON MARLEN HAUSHOFER
80 MINUTEN, KEINE PAUSE

28 EURO / 17 EURO

22.01. SA 20.00 UHR

23.01. SO 19.00 UHR

20.02. SO 19.00 UHR

DAS STÜCK
Eine namenlose Heldin wird während eines kurzen Ausflugs von der Außenwelt durch eine unsichtbare Wand getrennt. Hinter ihr: eine entfremdete Welt. Was geschah? Ein Unglück? Ein Unfall? Eine Katastrophe. Die Welt hinter der Wand – leblos. Stillstehend. Surreal. Vielleicht tot? Ist die Wand ein Seelenzustand oder Realität? Die Frau richtet ihr Leben ein. Der Wald, die Tiere, Winter, Sommer, Regen, Geburt, Tod und Fortleben sind ihre treuen Gefährten. Die Krise wird überwunden, das Schreiben zum Weg in die Zukunft. Ein Text über das Leben, um zu überleben. Julia Koschitz durchbricht in den KAMMERSPIELEN die unsichtbare Wand und nimmt den Zuschauer mit auf die Reise zum eigenen Ich. „Die Wand“ – das Zeitstück der Gegenwart. Ein radikaler Appell. Existenziell, poetisch, lebensnah!
Der Kultroman „Die Wand“ gilt als berühmteste Arbeit der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer. Ausgezeichnet mit dem Arthur-Schnitzler-Preis und in 19 Sprachen übersetzt.

ES SPIELT:
JULIA KOSCHITZ

REGIE:
SVEN GRUNERT

BÜHNE:
HELMUT STÜRMER

DRAMATURGIE:
GANNA MADIAR

REGIEASSISTENZ:
MARIA WIMMER
MAXIMILIAN KELLNER

KOSTÜME:
IRINA KOLLEK

REQUISITE:
JASMIN GRAN

TECHNIK:
PHILIPP DEGÜNTHER
MICHELE LUPI
MARKUS PICKAL

PREMIERE:
17. SEPTEMBER 2021

 

Image

 
PRESSESTIMMEN

Maximaler Minimalismus
Das Kleine Theater Landshut: „Die Wand“ von Marlen Haushofer.

Für die Theater müssen sich die Monate des zweiten Lockdowns angefühlt haben wie das permanente Anrennen gegen eine undurchdringliche Wand. Da wurden Proben abge­halten und immer wieder neue Premieren­termine angesetzt, doch die Rückkehr zum Spielbetrieb musste angesichts nicht ab­ebben wollender Corona-Wellen ein ums ­andere Mal…

Intendant Sven Grunert, Intendant des Kleinen Theaters Landshut, und Schauspielerin Julia Koschitz, hatten den Plan, Marlen Haushofers Roman„Die Wand“ für die Bühne zu bearbeiten, bereits im Sommer letzten Jahres geplant, also schon nach dem ersten Lockdown. Doch aus der für Herbst 2020 geplanten Premiere wurde nichts. Sie konnte erst ein geschlagenes Jahr und vier Terminverschiebungen später stattfinden.

Die Gründe für die Wahl des Stoffes liegen auf der Hand. Alleinsein und Isolation sind zentrale Themen des 1963 erschienenen Buches – mithin Erfahrungen, die viele Menschen während der staatlich verordneten Häuslichkeit in der Corona-Krise machen mussten.

Haushofers namenlose Ich-Erzählerin will mit einem befreundeten Ehepaar ein Wochenende auf einer Hütte im Gebirge verbringen. Ihre Bekannten brechen am ersten Abend noch mal kurz auf ins Tal, kehren jedoch nicht wieder. Als die Erzählerin sich tags drauf auf die Suche macht, versperrt ihr eine unsichtbare Wand den Weg. Auf unabsehbare Zeit auf sich selbst zurückgeworfen, richtet sie sich notgedrungen in ein Leben in der Bergwelt und in Einsamkeit ein. Ihre Aufzeichnungen bilden den Romantext.

Im Kleinen Theater Landshut hat Bühnenbildner Helmut Stürmer ein Häuschen auf die Spielfläche gestellt, das wie eine Kreuzung aus Gewächshaus und Käfig anmutet. Neben der Draht-Konstruktion stehen einige Gerätschaften: ein Kübel, eine Leiter, auch ein Paar Stiefel, außerdem ein Bildschirm, der fahle Live Close-Ups von Julia Koschitz zeigt, die im Inneren der Behausung auf einem Quader kauert, strähniges Haar, nur in Unterwäsche. Das Bild, das sich bietet, lässt an den österreichischen Entführungsfall Natascha Kampusch oder die Kellergefangene Elisabeth Fritzl denken. Doch Haushofers Roman ist weit mehr als ein Report aus der Gefangenschaft. „Geburt. Tod. Die Jahreszeiten. Wachstum und Verfall“, darum gehe es, notiert die Protagonistin einmal. Zurückgeworfen auf sich selbst, nur mit einer Hand voll Tieren als Gefährten, Wind, Wetter und dem Kreislauf der Natur ausgesetzt, findet sie zu einer inneren Freiheit, fügt sich, nein, nicht in ihr Schicksal, sondern in das, was man den natürlichen Gang der Dinge nennen möchte.

Der Roman verhandelt die ganz großen Themen, Grunerts klug gekürzte Adaption folgt ihm darin, ohne auf entsprechend große Gesten zu setzen. Im Gegenteil: Regisseur und Darstellerin sind ein enormes Risiko eingegangen, wagen maximalen Minimalismus. Von dem Würfel, auf dem Koschitz anfangs sitzt, wird sie auch in den 70 folgenden Spielminuten nie aufstehen. Mehr Reduktion geht kaum. Statisch oder gar langweilig aber wirkt die Inszenierung nie. Die fernseh- und kinoerfahrene Schauspielerin („Der letzte schöne Herbsttag“, „Im Schatten der Angst“) vermag es, allein mit Mienenspiel und Sprachgestaltung die Fieberkurve der Figur vom Selbstverlust bis zur Selbstfindung zu durchmessen und das ganze Spektrum der Gefühle von Wut und Verzweiflung über Resignation und Gleichmut bis zu innerem Frieden und Erkenntnis-Euphorie auszuloten. Gleichförmiges Ticken einer Uhr und flächige Soundscapes, die wie ferne Erinnerungen an eine versunkene Welt hereinzuwehen scheinen, schaffen Atmosphäre. Mehr braucht es nicht für diesen atemberaubenden Theaterabend, der konsequent hinter der unsichtbaren vierten Wand bleibt. Fast wirkt es so, als würde Koschitz dieses grandiose Solo nur für sich selbst spielen. Und doch zieht sie das Publikum hinein in einen Sog, nimmt es mit auf die rauschhafte Reise ins Innere, wo sich in der Beschränkung (von der der Roman erzählt und die sich die Inszenierung auferlegt hat) unermessliche Gedankenfreiräume auftun.

Jetzt, da man es wieder lässt, kann das Theater Wände zum Einsturz bringen. Diese Aufführung ist der beste Beweis dafür.

Christoph Leibold, Theater der Zeit , Oktober 2021

-----


Julia Koschitz spielt Marlen Haushofers Roman "Die Wand" am Kleinen Theater Landshut.

Die Frau muss schreiben. Schreiben, um zu überleben. Sie sitzt in einem Häuschen aus Metallgittern, ein enges Gefängnis mit einer großen Scheibe. Um sie herum liegen viele Blätter Papier, kopfüber gebeugt schreibt sie auf dem Boden, man hört das Schaben des Bleistifts, man sieht, was sie schreibt. Eine Kamera filmt die Frau, die keinen Namen hat, überträgt das, was sie einfängt, in einen mit Plastikfolie verpackten Fernseher und auf eine Leinwand hinter dem Haus. Manchmal sieht man auf dieser Leinwand auch Gräser, Wiesenblumen, fast ein tröstliches Idyll, vor das sich das Gesicht der Frau schiebt, groß und voller Pein.

Die Frau wird gespielt von Julia Koschitz. Jeder, der einen Fernseher hat oder seinen Computer als solchen benutzt, kennt ihr Gesicht. Während des Lockdowns hatte man wegen der vielen Wiederholungen in den Mediatheken manchmal den Eindruck, immer wenn man in einen Bildschirm hineinschaut, schaut Julia Koschitz heraus. Den Gedanken findet sie grässlich. Zu viel Präsenz.

Wenn man erfahren will, was die Präsenz von Julia Koschitz wirklich bedeutet, dann muss man nach Landshut zum dortigen Kleinen Theater fahren. 75 Minuten hat man dann Zeit mit ihr. Nur mit ihr. Koschitz spielt dort Marlen Haushofers Roman "Die Wand", Premiere ist diesen Freitag.
Warum ging diese Schauspielerin dem Theater fast verloren?
Erster Eindruck nach der Hauptprobe, die in ihrer Perfektion als vollgültige Aufführung gelten darf: Warum nur ging diese Schauspielerin dem Theater fast verloren, gäbe es nicht Sven Grunert und das von ihm seit bald 30 Jahren geleitete Kleine Theater? War ja nicht immer so. Auf der Schauspielschule träumte sie von den Münchner Kammerspielen oder dem Deutschen Theater in Berlin, die ersten Engagements waren dann in Coburg und Regensburg, einzelne Rollen spielte sie auch in München, am Metropol, am Teamtheater. Dann kam das Drehen. 2004 begann sie als Polizistin in der Serie "München 7", 2006 spielte sie in Ralf Westhoffs Kinoerfolg "Shoppen" mit. Danach rissen sich alle um sie, ihre Filmografie umfasst Seiten.

"Ich will mich nach wie vor nicht entscheiden müssen." Doch die Entscheidung zwischen Theater und Drehen wird ihr meist abgenommen. Für die Bühne bleibt nicht viel Zeit übrig, Drehpläne und ein Festengagement an einem Theater lassen sich schlecht miteinander vereinbaren. Doch da gibt es "einen Menschen, der mit Unmöglichkeiten unglaublich flexibel umgeht". Der Mensch ist Sven Grunert, der nun auch "Die Wand" inszeniert hat. Flexibilität ist indes nicht abendfüllend, als Grund für ihre Arbeit mit Grunert betrachtet Julia Koschitz diese auch nachrangig. Entscheidend sei die lange Zusammenarbeit, das Vertrauen, die künstlerische Neugier auf den jeweils anderen, das Abarbeiten an einem Stoff. Grunert: "Es gibt diese wunderbaren Kräfte des Suchens und Abwägens; Julia ist ungeheuer schnell im intuitiven Verstehen."

Seit bald 20 Jahre arbeiten sie schon zusammen. 2006 erhielt Koschitz für ihre Nora (Ibsen) in der Regie von Grunert den Darstellerpreis der Bayerischen Theatertage. Davor hatte sie schon die Antigone und anderes gespielt, danach "Wer hat Angst vor Virginia Woolf", "Gott des Gemetzels", vor drei Jahren "Bilder deiner großen Liebe". Immer waren Pausen zwischen den Produktionen, trafen sich Koschitz und Grunert wieder, brachten sie in die wieder neue Zusammenarbeit die Erfahrungen ein, die sie dazwischen gemacht hatten. Eben auch beim Drehen. Koschitz will drehen, weil man da "schnell an den Punkt kommt, mit interessanten Menschen interessante Projekte zu machen". Ja, sie habe erstaunlich viel gedreht, weniges davon sei "wirklich unnötig gewesen". Aber auch bei dem, was vollkommen nötig war: Etwas scheint sie doch zu vermissen. Und so bringt die Auseinandersetzung mit einem Stoff sie immer wieder zum Theater zurück. Und damit zu Sven Grunert.

Dem Kleinen Theater Landshut ging es wie allen ein Jahr lang auch dreckig, der letzte Eintrag im Gästebuch stammt vom 4. Oktober 2020: "Und es geht doch!" Bald ging dann nichts mehr. In Marlen Haushofers Roman, der 1963 erschien, aber erst seit etwa zehn Jahren die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhält, gibt es durchaus Aspekte, die an die Lockdown-Zeit erinnern, in einer Art abermaligen Vergegenwärtigung, die der Roman selbst auch ist. "Die Wand" ist der Bericht einer namenlos bleibenden Frau. Auf einer Almhütte ist sie auf einmal durch eine unsichtbare Wand von der Außenwelt getrennt. Draußen scheint alles Leben erloschen, drinnen lernt die Frau das Überleben, mit Schlauheit und Liebe zu den Tieren, mit einer Katastrophe und Hoffnung. Julia Koschitz spielt das atemberaubend, hochgradig spannend, auch wenn man die Geschichte gut kennt. Sie staunt und liebt und verzweifelt, sie feiert im Überleben das Leben selbst, sie ist in der Unmittelbarkeit ihres Spielens und Erzählens grandioses Theater.

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 17. September 2021

-----

Die Form der Erzählung gibt der Schauspielerin einen überschaubaren Rahmen der Ausdrucksmöglichkeiten vor. Koschitz arbeitet also vor allem mit der Stimme, kann, auf ihrer Box im Käfig hockend, nur wenig agieren. Die schwierige Aufgabe meistert sie grandios. Der Bericht wird zur feinsinnig vorgetragenen Innenschau, der das Publikum beiwohnt. „Die Wand“ am Kleinen Theater ist die Fortführung der produktiven Zusammenarbeit zwischen Sven Grunert und Julia Koschitz.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 21. September 2021

-----

... konzeptionelle Sicht vom poetischen Theater und als lebensbejahender Gegenpol zur Pandemie nachvollziehbar...

Michaela Schabel, Schabel-Kulturblog, 19. September 2021