AKTUELLES

Lieber harte Bandagen als der Sprung in den Wahnsinn

LZ-Reihe: Sven Grunert über Theater in der Pandemie, Freiheit in Demut und Helene Fischer

„Reden wir über Corona...“:
Sven Grunert im Gespräch mit Michael Stolzenberg, Landshuter Zeitung, 23. Januar 2021

In Teil zwei unserer Gesprächsreihe kommt Sven Grunert zu Wort. Wie erlebt der Intendant des Kleinen Theaters Landshut die Pandemie – als Kulturschaffender, aber auch ganz persönlich? Grunert, 58, äußert sich gewohnt meinungsstark zu ganz unterschiedlichen Facetten der derzeitigen Sondersituation. Er spricht über das Leben im Lockdown für Kreative, über seine Sehnsucht nach Publikum und Applaus, analysiert das Handeln der politisch Verantwortlichen und entwirft sein Bild von einer Zeit nach Corona. weiter ...

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Die k-Aktion KULTURBROT des Kleinen Theaters geht weiter!

Diese Bäckereien haben die „Kulturbrote“ des Kleinen Theaters im Sortiment solange der Vorrat reicht: „Brotmacher“ (Neustadt, Altstadt, Wittstraße), Biomarkt „Frisch & Fein“ (Innere Münchener Str. 30), „Bäckerei Betz“ (Niedermayerstr. 24c), „Bäckerei und Konditorei Wackerl“ (Äußere Regensburger Str. 25), „Mareis“ (Altstadt Landshut), „Gschaider“ (Schwimmschulstr. 4a), Jacques‘ Wein-Depot (Äußere Münchener Straße 64), „Achdorfer Buchhäusl“ (Bachstraße). Beim nächsten Einkauf in den genannten Filialen bekommen Liebhaber von Brot und Kleingebäck auf Anfrage ein „Kulturbrot“ gratis, bestehend aus einem Gutschein für das Online-Programm des Kleinen Theaters.  Die k-Aktion KULTURBROT läuft bis zum 28. Februar 2021.

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EIN WERKSTATTGESPRÄCH IN ZEITEN DES LOCKDOWNS
17. Dezember 2020
Der Intendant des kleinen theater - KAMMERSPIELE Landshut Sven Grunert und die Hausdramaturgin Ganna Madiar im Gespräch über die aktuelle Entwicklung, Online-Bühne und Kulturaktionen.

PRALLES SCHAUSPIEL
DAS KLEINE THEATER LANDSHUT BEREITET DEN "STURM" FILMISCH AUF
Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 17. Dezember 2020
Unter all den Streams, in denen man derzeit Theater gucken kann, gehört der des Kleinen Theaters Landshut zu den Glücksfällen. Sven Grunert, Intendant des Hauses, (...)  macht schon seit Langem etwas, was sich nun als Glücksfall erweist. Er zeichnet Aufführung auf, mit mehreren Kameras, aus verschiedenen Perspektiven. Die Aufnahmen dienten bislang der Dokumentation, nun sind sie Überlebenselixier in harten Theaterzeiten. Neben Live-Übertragungen kleinerer Formate ist derzeit Grunerts eigene Inszenierung von Shakespeares "Sturm" zu sehen, streng nach Spielplan und wieder Anfang Januar.

Grunert will dadurch die Exklusivität, den Ereignischarakter der Vorstellungen erhalten. Auch der "Sturm" wird gesendet, als wäre er live, ist nur zum Termin des Spielplans zu sehen, vorher muss man online ein Ticket kaufen. Und dann sieht man etwas, was man vermisst hat. Eine echte Shakespeare-Aufführung, also pralles Theater, sehr handgemacht. Es gibt den ganzen Text in schönen Versen, man spürt den Schweiß und die Tränen derer auf der Bühne. Diese ist so intim, wie sie in dem Haus nun einmal ist, und die Kameras fangen diese Intimität ein, man ist nah dran, manchmal fast zu nah, wenn die Kamera den Akteuren zu Leibe rückt.

Vielleicht ist es so, dass im Stream die avancierten, experimentellen Aufführungen nicht so gut funktionieren wie jene, die ohne viel Federlesens einfach das Theater feiern. Grunert tut das, und er hat die Leute dafür, die die Geschichte auf saftige Art plastisch machen - wer noch nie ganz kapiert hat, worum es im "Sturm" geht, hier weiß man's. Dann, wenn die Menschen, die doch mehr füreinander Bestien sind, ihre Machtgelüste ausbreiten, Andreas Sigrist als Prospero unverhohlen auf Rache sinnt und die wundervolle Anna Schumacher als Miranda mit mädchenhafter und verdutzter Menschlichkeit zwischen den Ränken die Wärme und die Liebe einzufordern versucht - sie ist ein flehendes, vibrierendes Ereignis. Dazu gibt es herrliche Trottel - Knud Fehlhauer und Sven Hussock -, virile Teilzeitstrategen (Stefan Lehnen), eine grantige Calibanin (Maja Elsenhans) und live zugespielte Musik.

NEUES STREAMING-ANGEBOT AM KLEINEN THEATER LANDSHUT
Autor: Christoph Leibold, BR2 KulturWelt, 26. November 2020

 

Im gegenwärtigen Lockdown versuchen viele Theater über digitale Angebote mit ihrem Publikum in Kontakt zu bleiben. Für die Theater der freien Szene ist das deutlich schwieriger als für die großen Häuser, denn oft fehlt es an der nötigen technischen Ausrüstung. Das kleine theater Landshut hat nun dennoch ein neues digitales Angebot gestemmt. Christoph Leibold berichtet.

Christoph Leibold: In der Regel zeigen die Bühnen Theater aus der Konserve, also Aufzeichnungen alter Aufführungen. Oder, was zunehmend passiert, sie experimentieren mit originären Webformaten, bei denen die Schauspieler zum Beispiel daheim vor den Kameras ihrer Laptops agieren. Das kleine theater Landshut will einen vergleichsweise selten beschrittenen Weg einschlagen. Dort soll, wie gewohnt, auf der Bühne gespielt und in Echtzeit ins Netz übertragen werden.

Intendant Sven Grunert: Ich denke einfach, dass die Gewissheit des Zuschauers, dass man einen gemeinsamen Augenblick, der zwar nicht in einem gemeinsamen Raum erlebt wird, aber durch die Gewissheit, dass es eine zeitliche Anbindung gibt von dem, was ich sehe , das ein gewisses Erlebnis haben kann, was mich in die Intensität eines Theaterlebens versetzt.

Christoph Leibold: Um das zu ermöglichen hat das kleine theater Landshut in Kameraequipment investiert. Wie bei einer Fernsehübertragung kann nun zwischen verschiedenen Perspektiven live hin- und hergeschnitten werden. Für die Aufführungen muss man sogar Eintrittskarten kaufen, wobei die Preise niedrig sind. Sven Grunert geht es nicht darum, Einnahmen zu generieren, sondern das Publikum zu bewußtem Zuschauen einzuladen.

Sven Grunert: Ich glaube, es ist auch ganz wichtig, dass man das alte Ritual, das man kennt, wenn man ins Theater geht, erlebt. Man erwirbt eine Karte und geht dadurch noch eine ganz andere Entscheidung ein.

Christoph Leibold: Im Streaming sieht Sven Grunert auch die Chance, ein breiteres Publikum für das kleine theater Landshut zu gewinnen. Gut möglich, dass er das Angebot als eigene Sparte auch dann noch weiter behält, wenn Corona besiegt ist und Theater wieder aufsperren dürfen.