AKTUELLES

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WILLKOMMEN IN DER SPIELZEIT 2021 l 2022!

Lassen Sie sich mitreißen von unseren Ideen. Lassen Sie sich gefangen nehmen vom analogen Zauber des Augenblicks. In unserem kleinen Haus, in großem Haus der Welt - endlich wieder in Präsenz!

Die letzte Spielzeit konnten wir mit unserer k.digital-Bühne weiter live und direkt für unser Publikum da sein. Mit über 40 Online-Direktübertragungen haben wir versucht, den Ereignischarakter einer Theateraufführung nach Hause zu bringen. Sechs Premieren konnten wir realisieren. Die Online-Inszenierung MARILYN MONROES LETZTES BAND wurde zu einem Höhepunkt unserer Online-Bühne. Die neue Website und das Onlineticketing-System wurden begeistert angenommen.

k.digital wird es auch weiterhin als Programmangebot der Landshuter KAMMERSPIELE geben. 62 gestreamte Vorstellungen konnten wir auf die Online-Bühne bringen, 32 Veranstaltungen davon wurden direkt und live übertragen. Wir haben experimentiert und versucht, uns in dieser Ausnahmezeit neu zu erfinden, im digitalen Raum. Ein Stück Nahkultur in der Fernkultur zu erschaffen. Die Resonanz und die Reaktionen unseres Publikums haben unsere Erwartungen übertroffen!

Ab September sind wir wieder analog und in Echtzeit präsent. Endlich, nach zehn langen Monaten, können wir wieder Besucher*innen im kleinen theater begrüßen! Immer schon waren die Landshuter KAMMERSPIELE ein Ort der Innovation, ein Impulsgeber für Schritte, die Spuren in der Stadt, in der Region Niederbayern und darüber hinaus hinterlassen haben.

In der kommenden Spielzeit werden wir wieder Fragen aufwerfen und dabei sichtbar und erlebbar machen, was unsere Wirklichkeit ist und in welchen Kräften sich die Gegenwart spiegelt. Wir wollen erkunden, was ist und was sein kann. Es ist eine Herkulesaufgabe und eine Herausforderung, da man sich als Mensch und Theaterschaffender in einer Zeit wie der unsrigen spiegeln muss, in der so viele Widersprüche und der Widersinn herrschen. Das Fehlen von Visionen, Konzepten, Plänen macht hilflos und schafft Chaos.

Kultur ist die Grundlage unserer Gesellschaft. Das Floss, das uns trägt, der Sinn, der uns erfüllt. „Der Mensch spielt nur, wenn er ganz Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Friedrich Schiller) Die Theaterkunst stellt den Menschen ins Zentrum seiner Vielschichtigkeit. Die Welt verändert sich und wir verändern uns mit ihr. Theater ist für mich transformierte Gegenwart mit der Aufgabe, Zukunft zu denken. In dem, was ist, zu sein. Spielerisch, poetisch, politisch. Vorhang auf: Das Spiel beginnt.

Wir haben für unser Publikum wieder einen reichhaltigen Spielplan entwickelt. Mit unseren neun Premieren und zwölf Produktionen aus dem Repertoire sind wir wieder für unser Publikum da - im Hier und Jetzt!

Ihr

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Sven Grunert
und das gesamte Team des kleinen theaters - KAMMERSPIELE Landshut

AKTUELLE INFORMATIONEN ZUM VORSTELLUNGSBETRIEB / HYGIENEREGELN finden Sie hier.
Die Vorverkaufsstelle ist ab dem 15.09.2021 wieder zu den gewohnten Öffnungszeiten für Sie da (MI - FR 17.00 - 19.00 Uhr)

DIE WAND IM KLEINEN THEATER

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 17. September 2021 über "DIE WAND"
Julia Koschitz spielt Marlen Haushofers Roman "Die Wand" am Kleinen Theater Landshut.

Die Frau muss schreiben. Schreiben, um zu überleben. Sie sitzt in einem Häuschen aus Metallgittern, ein enges Gefängnis mit einer großen Scheibe. Um sie herum liegen viele Blätter Papier, kopfüber gebeugt schreibt sie auf dem Boden, man hört das Schaben des Bleistifts, man sieht, was sie schreibt. Eine Kamera filmt die Frau, die keinen Namen hat, überträgt das, was sie einfängt, in einen mit Plastikfolie verpackten Fernseher und auf eine Leinwand hinter dem Haus. Manchmal sieht man auf dieser Leinwand auch Gräser, Wiesenblumen, fast ein tröstliches Idyll, vor das sich das Gesicht der Frau schiebt, groß und voller Pein.

Die Frau wird gespielt von Julia Koschitz. Jeder, der einen Fernseher hat oder seinen Computer als solchen benutzt, kennt ihr Gesicht. Während des Lockdowns hatte man wegen der vielen Wiederholungen in den Mediatheken manchmal den Eindruck, immer wenn man in einen Bildschirm hineinschaut, schaut Julia Koschitz heraus. Den Gedanken findet sie grässlich. Zu viel Präsenz.

Wenn man erfahren will, was die Präsenz von Julia Koschitz wirklich bedeutet, dann muss man nach Landshut zum dortigen Kleinen Theater fahren. 75 Minuten hat man dann Zeit mit ihr. Nur mit ihr. Koschitz spielt dort Marlen Haushofers Roman "Die Wand", Premiere ist diesen Freitag.

Warum ging diese Schauspielerin dem Theater fast verloren?

Erster Eindruck nach der Hauptprobe, die in ihrer Perfektion als vollgültige Aufführung gelten darf: Warum nur ging diese Schauspielerin dem Theater fast verloren, gäbe es nicht Sven Grunert und das von ihm seit bald 30 Jahren geleitete Kleine Theater? War ja nicht immer so. Auf der Schauspielschule träumte sie von den Münchner Kammerspielen oder dem Deutschen Theater in Berlin, die ersten Engagements waren dann in Coburg und Regensburg, einzelne Rollen spielte sie auch in München, am Metropol, am Teamtheater. Dann kam das Drehen. 2004 begann sie als Polizistin in der Serie "München 7", 2006 spielte sie in Ralf Westhoffs Kinoerfolg "Shoppen" mit. Danach rissen sich alle um sie, ihre Filmografie umfasst Seiten.

"Ich will mich nach wie vor nicht entscheiden müssen." Doch die Entscheidung zwischen Theater und Drehen wird ihr meist abgenommen. Für die Bühne bleibt nicht viel Zeit übrig, Drehpläne und ein Festengagement an einem Theater lassen sich schlecht miteinander vereinbaren. Doch da gibt es "einen Menschen, der mit Unmöglichkeiten unglaublich flexibel umgeht". Der Mensch ist Sven Grunert, der nun auch "Die Wand" inszeniert hat. Flexibilität ist indes nicht abendfüllend, als Grund für ihre Arbeit mit Grunert betrachtet Julia Koschitz diese auch nachrangig. Entscheidend sei die lange Zusammenarbeit, das Vertrauen, die künstlerische Neugier auf den jeweils anderen, das Abarbeiten an einem Stoff. Grunert: "Es gibt diese wunderbaren Kräfte des Suchens und Abwägens; Julia ist ungeheuer schnell im intuitiven Verstehen."

Seit bald 20 Jahre arbeiten sie schon zusammen. 2006 erhielt Koschitz für ihre Nora (Ibsen) in der Regie von Grunert den Darstellerpreis der Bayerischen Theatertage. Davor hatte sie schon die Antigone und anderes gespielt, danach "Wer hat Angst vor Virginia Woolf", "Gott des Gemetzels", vor drei Jahren "Bilder deiner großen Liebe". Immer waren Pausen zwischen den Produktionen, trafen sich Koschitz und Grunert wieder, brachten sie in die wieder neue Zusammenarbeit die Erfahrungen ein, die sie dazwischen gemacht hatten. Eben auch beim Drehen. Koschitz will drehen, weil man da "schnell an den Punkt kommt, mit interessanten Menschen interessante Projekte zu machen". Ja, sie habe erstaunlich viel gedreht, weniges davon sei "wirklich unnötig gewesen". Aber auch bei dem, was vollkommen nötig war: Etwas scheint sie doch zu vermissen. Und so bringt die Auseinandersetzung mit einem Stoff sie immer wieder zum Theater zurück. Und damit zu Sven Grunert.

Dem Kleinen Theater Landshut ging es wie allen ein Jahr lang auch dreckig, der letzte Eintrag im Gästebuch stammt vom 4. Oktober 2020: "Und es geht doch!" Bald ging dann nichts mehr. In Marlen Haushofers Roman, der 1963 erschien, aber erst seit etwa zehn Jahren die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhält, gibt es durchaus Aspekte, die an die Lockdown-Zeit erinnern, in einer Art abermaligen Vergegenwärtigung, die der Roman selbst auch ist. "Die Wand" ist der Bericht einer namenlos bleibenden Frau. Auf einer Almhütte ist sie auf einmal durch eine unsichtbare Wand von der Außenwelt getrennt. Draußen scheint alles Leben erloschen, drinnen lernt die Frau das Überleben, mit Schlauheit und Liebe zu den Tieren, mit einer Katastrophe und Hoffnung. Julia Koschitz spielt das atemberaubend, hochgradig spannend, auch wenn man die Geschichte gut kennt. Sie staunt und liebt und verzweifelt, sie feiert im Überleben das Leben selbst, sie ist in der Unmittelbarkeit ihres Spielens und Erzählens grandioses Theater.

„DAS ZEITSTÜCK DER GEGENWART!“
Am Kleinen Theater Landshut hat heute die Bühnenfassung von Marlen Haushofers „Die Wand“ als Solostück Premiere. In der Inszenierung von Sven Grunert ist Julia Koschitz zu sehen.

Eine Frau wacht eines Morgens in einer Jagdhütte auf und findet sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand, hinter der kein Leben mehr existiert. Was ihr bleibt, sind ein Hund, eine Katze, eine Kuh, eine Waldschlucht, die Berge, eine Alm. Marlen Haushofers Roman hält viele Deutungsmöglichkeiten bereit. Die Wand als Symbol für Barrieren, die uns von den Mitmenschen trennen; Krankheit, Depression, Ausgrenzung, Einsamkeit. Die Bedrohung und zugleich die Sehnsucht, gezwungen zu werden, ohne andere Menschen zu leben.
Interview von Hannelore Meier-Steuhl mit Sven Grunert und Julia Koschitz, Landshuter Zeitung, 17. September 2021
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