PROFIL

... EIGENTLICH KÖNNTE ALLES AUCH ANDERS SEIN ...

Eigentlich wollten wir nur ein Stück lang, ein Stück weit bleiben in Landshut, einen Sommer lang, um im Herbst weiterzuziehen. Der Thespiskarren machte 1992 Halt in einem Hinterhof in der Neustadt, Hausnummer 455. Wir spielten das Stück „Liebe Jelena Sergejewna“ von Ljudmila Rasumowskaja. Am Anfang standen das Licht unserer Bühne, unsere Fantasie und ein sich drehender Rundvorhang, den die Schauspieler mit den Händen bewegen konnten. So begannen wir unsere Kreise zu ziehen.

... EIGENTLICH KÖNNTE ALLES AUCH ANDERS SEIN ...

Alles war ein offenes Experiment. Nach unseren ersten Erfahrungen an städtischen Bühnen gab es für uns junge Theatermacher in unserer Kunst nur ein Weiterkommen durch die Gründung eines eigenen Theaters. Eines Theaters, das dadurch entsteht, indem man es macht. Anstatt Stadttheater, das wir als StattTheater empfanden, wollten wir freies Theater spielen.
Theater ist eine Haltung – Theater ist Tun – Theater ist Handeln. Theater ist Kunst. In der Kunst ein Mensch zu sein (Martin Kippenberger). Handeln kann sich nur darin realisieren, wo die Dinge auch anders sein könnten. Die Entscheidung für eine bestimmte Möglichkeit des Handelns setzt voraus, dass es einen Spielraum offener Möglichkeiten gibt. So wurde unser kleines k geboren, das kleine theater, indem sich unsere Ideen, die Poesie, das Wandelbare, die Vorstellung manifestierten, dass alles auch ganz anders sein könnte. Das war: der Beginn, der Aufbruch, die Genese, der Gründungsgedanke.

... EIGENTLICH KÖNNTE ALLES AUCH ANDERS SEIN ...

Beat Fähs Sommernachtstraum-Adaption „Rose und Regen, Schwert und Wunde“ stand für mich in den 1980er Jahren für eine Ästhetik der Erneuerung. Radikal, minimalistisch, heutig: So begann ich das Theater zu sehen, das ich machen wollte. Ein Theater frei von Ideologie.  

Theater pur, daran glaubten wir: die Argonauten der ersten Stunde. Odile Simon, Matthias Kupfer, Yvonne Frey, Léonie Thelen, Stefan Walz. Wir waren erfüllt vom Atem des Anarchischen. Wir sahen im Spiel einen Raum der Entwicklung, einen Raum der Freiheit, einen Raum der Evolution. Wir wollten poetisches, politisches, provokantes Theater machen. Theater sollte emotionalisieren, aber auch die Gegenwart reflektieren und sich in seiner Zeit widerspiegeln. So gründeten wir in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Landshut und einem eigens gegründeten Trägerverein das kleine theater Landshut.

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Die Wooster Group, das Living Theatre, aber auch Goldoni und Molière inspirierten die Schauspieler und mich mit ihrem rebellischen Geist, in dem sie zu ihrer Zeit Gegenwartstheater machten. So stellten wir uns gegen vorgefasste Meinungen und rissen gewohnte Vorstellungen ein: Wir suchten alles in der reinen Form, in der klaren Form des Spiels. Wir dachten an das Piccolo Teatro in Mailand, an Kasimir Malewitsch und sein „Schwarzes Quadrat“, die Chaostheorie herrschte im Zeitgeist. Wir versuchten, das Chaos als höchste Ordnung zu begreifen. Das Spiel selber wurde Konzept unserer Theaterforschung. Das Spiel in seiner Vernetzung, in seiner Sichtbarmachung. Wir entdeckten Theater als Sprache und suchten neue Worte, neue Konnotationen. Räume des Möglichen im Spielraum offener Möglichkeiten unseres kleinen k. Und alles mit dem alten „Was wäre, wenn…“. Im Spiel sahen wir ein grundsätzliches Axiom unserer Kultur, unseres Menschseins. „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Es waren Schillers Worte, die uns Pate standen. Unser Leitsatz war, das Theater als größte Erfindung menschlicher Kommunikation zu behaupten.
Unsere gedanklichen Helden waren Johan Huizinga und sein Homo ludens, Giorgio Strehler und sein menschliches Theater, Peter Brook und sein 

leerer Raum, Max Reinhardt mit seinem kleinen Theater und Bruce Nauman mit seiner Performancekunst. Wir wollten uns in unserer  Kunst und Kultur immer wieder neu überdenken, mit Lust und Spielfreude. Das k-Konzept: Wer nicht die Kleinheit großer Dinge in sich spürt, wird auch nicht die Größe des kleinem im anderen sehen. „Il piccolo è un grande prigione ma com‘è bello.” („Das Kleine ist ein großes Gefängnis, aber wie schön es ist“, Giorgio Strehler)

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Der Regisseur Giorgio Strehler, Gründer des Teatro Piccolo di Milano, der mich auf vielen inneren Reisen begleitet hat, sprach einmal von dem großen Glück, das wir als Künstler haben: Wenn eine gute Idee gelingt, bleibt etwas zurück für die Zukunft. So erfinden wir heute das Morgen. Ein schöner Gedanke, aber er erzählt auch von der Verantwortung die wir haben für das, was bleibt, eine Verantwortung für die Welt von morgen. Eine Welt, in der wir leben können und wollen im Spielraum offener Möglichkeiten. Unser Experiment kleines k geht weiter.

... EIGENTLICH KÖNNTE ALLES AUCH ANDERS SEIN ...

Solange der Vorhang aufgeht, verspricht die Welt, die sich dahinter befindet, eine andere zu werden. Der Vorhang gibt Raum frei, ist Symbol, Formel, Bedeutung, Utopie und Vorstellung. Der Vorhang ist ein Versprechen, eine Vorstellung von einer gemeinsamen Welt, die wir mit unserem Publikum teilen können im Angesicht der Gegenwart.
Ich glaube, dass etwas bleibt von dem, was wir auf der Bühne zeigen. Ich glaube an die Kraft des Theaters, ich glaube an die dionysische Kraft der Poesie, an den Zauber des Augenblicks, an die Verwandlung und an den Vorhang, der dies immer wieder verspricht. Denn eigentlich könnte alles auch ganz anders sein.

SVEN GRUNERT, LANDSHUT 2020

Solange der Vorhang aufgeht, verspricht die Welt, die sich dahinter befindet, eine andere zu werden.
SVEN GRUNERT, LANDSHUT 2020

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Seit nunmehr über 25 Jahren entsteht an diesem Ort anspruchsvolles Theater fernab des Mainstreams. „Vom Publikum wie von der Kritik gleichermaßen hochgeschätzt sind die KAMMERSPIELE Landshut als Repertoiretheater und Spezialist für moderne und emotionale Klassikerinszenierungen sowie zeitgenössische Dramatik weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannt.“ (Landshuter Zeitung) Mit gut 180 Veranstaltungen im Jahr und seinen Kunstaktionen im öffentlichen Raum prägt das kleine theater das kulturelle Leben in Landshut und darüber hinaus. Es ist „Botschafter bayerischer Theaterkultur“, wie es das Bayerische Staatsministerium ausdrückt, und blickt auf nationale und internationale Erfolge zurück, wie z. B. auf die Teilnahme beim 17. Nationalen Theaterfestival in Bukarest im Jahr 2007, an dem u.a. auch die Schaubühne Berlin und die Jan Lauwers' Needcompany aus Belgien mit Inszenierungen vertreten waren. Beim Festival „INTERFERENZEN“ in Klausenburg präsentierte sich das kleine theater neben renommierten Schauspielhäusern wie dem Katona Josef Theater aus Budapest. Seit 2001 sind die KAMMERSPIELE durchgängig zu den jährlich stattfindenden Bayerischen Theatertagen eingeladen. Das poetische, politische und generationsübergreifende Konzept des Hauses bindet hochkarätige Künstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und führt zum Austausch mit dem Burgtheater Wien, Theater Essen, Grips Theater Berlin, den Hamburger Kammerspielen und weiteren großen und kleinen Bühnen.

Im Januar 2013 wurde das kleine theater – KAMMERSPIELE Landshut von einem Verein in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt.

 

 

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NORA. EIN PUPPENHEIM
Julia Koschitz, Bettina Schönenberg, Andreas Sigrist, Florian Stadler

AUSZEICHNUNGEN

Preis für die beste darstellerische Leistung (Sebastian Gerasch in „Hysterikon“) auf den 10. Wasserburger Theatertagen 2014

Preis für die beste Produktion („Bloß a G´schicht“) und die beste darstellerische Leistung (Ursula Berlinghof in „Bloß a G´schicht“) auf den 9. Wasserburger Theatertagen 2013

Publikumspreis für die beste Produktion auf den Bayerischen Theatertagen in Augsburg 2012 für „Oskar und die Dame in Rosa“

Preis des „Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt“2010 und Preisträger bei „Deutschland – Land der Ideen“ 2009 und 2012 für die Produktion „Nein heißt Nein“ (Regie: Sven Grunert) in Zusammenarbeit mit Power-Child e. V.

Darstellerpreis (Julia Koschitz) der Bayerischen Theatertage in Memmingen 2006

Anerkennung zum Deutschen Architekturpreis 1999 für die Sanierung des Rottenkolberstadels zum kleinen theater – KAMMERSPIELE Landshut


DAS KLEINE THEATER UNTERWEGS : INTERNATIONALE FESTIVALS

Wasserburger Theatertage 2013, 2015 und 2017

KALTSTART Theaterfestival in Hamburg 2013

Kulturzentrum Cube521 in Luxemburg 2008

Nationales Theaterfestival Bukarest 2007

Internationales Theaterfestival Cluj (Klausenburg) "Interferences" 2007

Internationales Theaterfestival in Sibiu 2005

Kinder- und Jugendfestival Zagreb 1998

Tollwood-Festival München 1997

Shakespeare-Tage Leipzig 1996

Bayerisches Kinder- und Jugendtheaterfestival Augsburg 1996

Luxemburg Kulturhauptstadt Europas 1995

Filmfest München 1994

Europäisches Theaterfestival in Luxemburg/Wiltz 1993

 

EINLADUNGEN ZU DEN  BAYERISCHEN THEATERTAGEN

2020 in Memmingen mit BILDER DEINER GROßEN LIEBE Regie: Sven Grunert

2018 in Fürth mit TSCHICK Regie: Matthias Eberth

2016 in Regensburg mit UNGEHALTENE REDEN UNGEHALTENER FRAUEN Regie: Sven Grunert

2015 in Bamberg mit DER VORNAME Regie: Sven Grunert

2014 in Erlangen mit DIE GLASMENAGERIE Regie: Sven Grunert

2013 in Nürnberg mit DIE ÄNGSTLICHEN UND DIE BRUTALEN Regie: Boris Motzki

2012 in Augsburg mit OSKAR UND DIE DAME IN ROSA Regie: Petra Dannenhöfer
Publikumspreis für die beste Produktion

2011 in Bamberg mit DIE BEICHTE Regie: Matthias Eberth

2010 in Regensburg mit ENDSTATION SEHNSUCHT Regie: Sven Grunert

2009 in Coburg mit WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? Regie: Sven Grunert

2008 in Ingolstadt mit EIN SOMMERNACHTSTRAUM. ROSE UND REGEN, SCHWERT UND WUNDE Regie: Sven Grunert

2007 in Fürth mit GLÜCKLICHE TAGE Regie: Sven Grunert

2006 in Memmingen mit NORA. EIN PUPPENHEIM Regie: Sven Grunert
Nachwuchsdarstellerinnenpreis für Julia Koschitz

2005 in Bamberg mit WAS HEIßT HIER LIEBE? Regie: Sven Grunert

2004 in Regensburg mit DIE EISPRINZESSIN Regie: Petra Dannenhöfer

2003 in Hof mit VERMUMMTE Regie: Sven Grunert

2002 in Erlangen mit DAS SPIEL VON LIEBE UND ZUFALL Regie: Sven Grunert

2001 in Ingolstadt mit UNSER DORF SOLL SCHÖNER WERDEN Regie: Jürgen Zielinski