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ALEXANDRA - DAS COMEBACK
VON DIANA ANDERS
105 MINUTEN, KEINE PAUSE


DAS STÜCK
Alexandra: Das waren die Schlager „Mein Freund der Baum“ oder „Der Zigeunerjunge“ in den wilden Sixties. Wie andere Musiker vor und nach ihr starb Alexandra 27 Jahre jung auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Nun kehrt die Sängerin mit der wunderbar-geheimnisvoll dunklen Stimme aus der Versenkung der Popgeschichte zurück!

Mit einer rasanten Bühnenshow präsentiert sie sich erneut einem begeisterten Publikum. Doch die Regeln haben sich von Grunde auf verändert: Die als Schlagersängerin vermarktete Alexandra, die gern als Chansonnière wahrgenommen worden wäre, muss sich dem knallharten Showbiz unserer Zeit stellen. Wer Star sein will, muss jung und sexy sein – forever.

Alexandra lässt sich von Unterhaltungs-Profis beraten und wandelt sich, deren Ratschläge befolgend, im Laufe der Show zur halbnackten Heavy Metal-Sängerin mit Botox-Visage. Im letzten Augenblick zieht sie die Reißleine. Die stimmgewaltige Schauspielerin Barbara Kratz präsentiert auf der Bühne der Gegenwart ein fulminantes Solo-Programm: Alexandra – Das Comeback.

Musikalisch arrangiert von Verena Guido und in Szene gesetzt von der Autorin Diana Anders. Zwischen Parodie und Hommage, respektvoll und mit leichtem Augenzwinkern lässt die Show das kurze Leben der 60er-Jahre-Ikone Revue passieren. Revival oder Rückblick? Comeback oder Farce? Ein Abend mit vielen Überraschungen.

EINE PRODUKTION DES FREIEN WERKSTATTTHEATERS KÖLN IN KOOPERATION MIT DEM KLEINEN THEATER KAMMERSPIELE LANDSHUT

Premiere: 10. Dez. 2016

ES SINGT UND SPIELT:
BARBARA KRATZ

BUCH UND REGIE:
DIANA ANDERS

BÜHNE:
DIANA ANDERS
BARBARA KRATZ

MUSIK:
VERENA GUIDO

VIDEO:
JOHANNES MÜNCH
CHRISTOPH WEDI

TECHNIK:
JÜRGEN BEHL
PHILIPP DEGÜNTHER
DAVID SCHRECK

 

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PRESSESTIMMEN

 

Wir Wolkenkinder
„Alexandra – Das Comeback“ im Kleinen Theater Landshut

Auf dem Höhepunkt des verzweifelten Anpassen-Wollens merkt sie: Es geht nicht. Das bin nicht ich. Mehr unbekleidet als bekleidet zappelt die Sängerin auf der Bühne herum und schreit ihren Hit, der doch von stiller Sehnsucht handelt, ins Publikum. Die melancholische 60er-Jahre-Schlagersängerin Alexandra und die Regeln des heutigen Musikgeschäfts passen nicht zusammen.

Barbara Kratz ist im Kleinen Theater Landshut diese wort- und stimmstarke Sängerin, die 1969 im Alter von nur 27 Jahren starb – aber auf der Bühne auf wundersame Weise wiederauferstanden ist und nun mit einer eigenen Show ein Comeback plant. Was sich in rund eineinhalb Stunden auf der Bühne abspielt, ist eine Mischung aus Revue (natürlich auch mit „Zigeunerjunge“ und „Mein Freund, der Baum“) und Comedy. Alexandra tritt zunächst im braven, hochgeschlossenen Glitzerkleid auf. „Ihr Wolkenkinder“, sagt sie lächelnd ins Publikum. Aber bald kommen – auf der Leinwand per Videoschnipsel eingespielt und von Kratz selbst synchronisiert – wohlmeinende Show-Kollegen und geben ihr Ratschläge, wie man heute als Schlagerstar zu sein hat: Vicky Leandros zum Beispiel, Salvatore Adamo, Roland Kaiser, Wladimir Putin (wegen Alexandras russischer Seele) und schließlich Heino und Hannelore.

Tenor ihrer Ratschläge: Zeig mehr Ausschnitt, mach das Kleid kürzer, werde blond, sei sexy – und tritt auch mal mit den jungen Wilden auf, wie Heino. Das versucht sie, und man sieht der armen Alexandra dabei zu, wie sie sich immer unwohler dabei fühlt, nicht mehr sie selbst zu sein. Und wie sie erkennt (was der Zuschauer längst weiß): Im Showgeschäft kommt es weniger aufs Können als aufs Aussehen. Am Ende: Applaus und Jubel.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 12. Dezember 2016

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Ein Comeback zur Einsicht
Barbara Kratz begeistert mit „Alexandra – das Comeback“ im Kleinen Theater

Mehr als das Comeback einer Sängerin – eine Satire des Showbusiness: Barbara Kratz als Alexandra. 
Bei einem Autounfall endete Alexandras Karriere plötzlich. 27 Jahre jung hatte sie sich mit ihrer samtenen dunklen Stimme in drei Jahren aus dem Rotlichtmilieu unter die ernstzunehmenden Schlagersängerinnen hochgearbeitet. Durch Lieder vom „Zigeunerjunge“, über „Sehnsucht“ bis „Mein Freund der Baum“ wurde sie als Ikone der 60er Jahre gefeiert, ihr Leben nicht zuletzt durch Marc Boettchers Biografie „Legende einer Sängerin“ mystifiziert.

Diana Anders und Barbara Katz bringen sie mit „Alexandra – das Comeback“, eine Koproduktion des Kleinen Theaters mit dem Freien Werkstatttheater Köln, zurück nach Landshut und mit ihr eine Reihe Künstlerfreunde.

Raffiniert von Diana Anders konzipiert und inszeniert, oszilliert das Stück zwischen Hommage und Gesellschaftssatire, spiegeln sich in Alexandras Comeback die Veränderungen im Musikbusiness, die Lächerlichkeiten der Schlagerstars, die mit über 70 immer noch auf der Bühne stehen. Texterin und Regisseurin Diana Anders heizt als ausgeflippte Tourmanagerin das Publikum an, verteilt Leuchtstäbchen und trimmt das Publikum wie bei einer Fernsehshow schon auf seine Claqueurfunktion. Im grün funkelnden Abendkleid, mit Glitzerwimpern und dunklem Pagenkopf, durchwirkt von leichtem Grauschleier, erscheint dann Alexandra alias Barbara Kratz, eine ganz andere Alexandra, kleiner, dicklich, doch mit der gleichen tiefvolumigen Stimme wie das Original.

Mit jedem Lied mehr entführt Barbara Kratz in die poetische Liedwelt Alexandras und lässt ihre Biografie Revue passieren. Sie zeichnet eine sympathische, etwas unsichere und damit beeinflussbare Alexandra, nicht die Zicke, die emanzipierte Alexandra mit ihrem großen Freiheitsdrang. Alexandras Faible gilt zunächst Russland, hörbar in „Das Lied der Taiga“, „Schwarze Balalaikas“, so gelungen, dass Überraschungsgast Putin ihr seine Reverenz erweist, weil sie viel besser als Pussy Riot die russische Seele interpretiere. Er wünscht sich „Ja lubljú tebjá“, „Ich liebe dich“ von Alexandra und posiert selbst als Reiter und Schütze, eine herrlich ironische Putinsatire. Immer volumiger werden die Liedinterpretionen, am besten in Französisch. Sie wollte unbedingt „in einem Atemzug mit den ganz großen des Showgeschäfts genannt werden, mit Adamo, Charles Aznavour und Edith Piaf“. Gleichzeitig offeriert das Comeback die Gnadenlosigkeit des Showbusiness. Wie ein Preisetikett hängt die Fernschaltung an Alexandras Armgelenk, mit der sie die einstigen und immer noch aktiven Stars der leichten Muse dazu geschaltet und sich selbst wie eine käufliche Ware präsentiert. Dunja Rajter, Vicky Leandros, Heino und Hannelore gratulieren zum Comeback, der Small-Talk endet immer gleich. Zu altmodisch ist das Kleid, als dass ein Comeback gelingen könnte. Zu hochgeschlossen, zu lang, zu wenig sexy.

Großartig spielt Barbara Katz die Verwandlung von der dunkelhaarigen Grand Dame zur „gebotoxten Heavy-Metall-Schranze“ in Blond, die Pein und Scham, die Hüllen fallenlassen zu müssen, um zu gefallen. Ihr Striptease mit Schnute und Hüftschwung wird zur bedrückenden Manipulationsfarce. Alexandra leidet, versucht zu verdecken, was zu viel zu sehen ist, sieht sich selbst aus der kritischen Perspektive der Zuschauer. Das Publikum tut ihr leid. Am Boden zerstört, besinnt sie sich auf Adamos Rat: „Lass dich nicht verbiegen!“ – und präsentiert divenmäßig in weißes Fell gehüllt einen grandiosen Abgang. Nein, das ist kein Claquer-Applaus. Der Applaus kommt von Herzen, gilt Barbara Kratz und Diana Anders für dieses herrliche parodistische Comeback, dem man viele Besucher wünscht.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 14. Dezember 2016