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OSKAR UND DIE DAME IN ROSA
VON ÉRIC-EMMANUEL SCHMITT
120 MINUTEN, EINE PAUSE

 

DAS STÜCK
Die wirklich wichtigen Fragen, die über Krankheit, Leben und Tod zum Beispiel, beantwortet kein Lexikon befriedigend und eindeutig. Das meint Oskar, ein zehnjähriger Junge, der an Leukämie erkrankt ist ... Der Philosoph Éric-Emmanuel Schmitt („Monsieur Ibrahim oder die Blumen des Koran“) variiert in diesem ungewöhnlichen Theatertext konsequent sein Thema, das ihm immer wieder am Herzen liegt: Worin besteht der Sinn des Lebens?

Über die Alltagsschilderungen im Krankenhaus, über Oskars Begegnungen mit der Dame in Rosa, die sich in einem traumwandlerischen Rollenspiel entfalten, wird das Leben in all seinen Höhen und Tiefen erlebbar. Im Kummer, im Verlust, in der Liebe. Eine wunderbare poetische Form, dem Unausweichlichen mit Humor zu begegnen, leicht, heiter, schwebend.

Das Stück gewann 2012 den Publikumspreis bei den 30. Bayerischen Theatertagen.

 

ES SPIELT:
LÉONIE THELEN

REGIE:
PETRA DANNENHÖFER

TECHNIK:
JÜRGEN BEHL
PHILIPP DEGÜNTHER

 

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PRESSESTIMMEN

"Thelen spielt beide Rollen zurückhaltend, aber eindringlich, und sie schafft es, die Szenen glaubhaft zu zeigen: Krankenzimmer, Kapelle, Besenkammer oder Auto. Ihr genügen die Requisiten auf der Bühne. Eine eigene Magie allerdings entsteht, wenn weitere Mittel ins Spiel kommen: Einmal verstreut sie rote Blumen auf der Bühne - belebende Farbtupfer. Ein andermal schneit es auf der Bühne."

Landshuter Zeitung, 5.12.2011

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„Léonie Thelen, Urgestein des kleinen Theaters, trifft von der ersten Sekunde an den richtigen Ton… So wird das Spiel, dessen bitteres Ende schon von vornherein klar ist, zu einem denkwürdigen Dialog. Einem Dialog, den Léonie Thelen in Personalunion meistert. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Sekundentakt wechselt sie bisweilen die Seite dieses Zwiegesprächs. Schlagfertig, glaubwürdig, oft zu Tränen rührend und herzzerreißend.“

Wochenblatt, 8.12.2011

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"Subtil changiert Léonie Thelen zwischen dem handfesten Catcher-Humor Mama Rosas und der kindlichen Naivität Oskars. Mit Feingefühl zeichnet sie in den Wutausbrüchen Oskars über die Feigheit seiner Eltern deren Hilflosigkeit. Ohne Larmoyanz, mit der sachlichen Logik eines Kindes und der Lebenserfahrung einer herzhaften Krankenschwester blitzt Humor in der Hoffnungslosigkeit auf, lassen die menschlichen Beziehungen den Tod vergessen, das Vertrauen die Angst überwinden. Der Tod als letztes Erlebnis, als Neugier auf das Danach - das ist die Botschaft für jeden. Text und Inszenierung berühren wie selten ein Theaterstück."

Landshut aktuell

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Gott und die Mehltüte!

Lieber Gott, statt einer Kritik schreib ich Dir jetzt mal einen Brief! Andererseits weiß ich auch, dass jeder Brief, der mit „lieber Gott“ angeht, eigentlich sentimentaler Unfug ist. Trotzdem muss ich so schreiben und so anfangen, weil ich Dir danken möchte, dafür, dass Du mich nach Landshut fahren und in ein Theater gehen ließest, wo ich mir das Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emanuell Schmitt angesehen habe. Und ich kann mich in diesem Fall eben nur in Briefform bedanken, weil der größte Teil des Stückes Briefe an den „lieben Gott“ sind, wer auch immer das sein mag.

Der krebskranke 12jährige Oskar hat noch 12 Tage zu leben und weiß dies auch. Er folgt dem Rat der Krankenhausangestellten in rosa Schwesterntracht und schreibt Briefe an den „lieben Gott“, obwohl er ja eigentlich gar nicht wie seine Eltern an den „lieben Gott“ glaubt. 12 Briefe in 12 Tagen, 1 Tag dauert 10 Jahre, die nun zu komfortablen 120 Jahren werden. Reichlich Zeit für ein ganzes Kinder-, Liebes- und Erwachsenenleben. Mit einer einfachen Illusion - nenn es Trick, nenn es Lüge, nenn es Notlüge - wird die Zeit besiegt. Vielleicht haben Lügen ja doch die längeren Beine. Es sind berührend-einfache, poetisch-kluge Briefe mit knallharten Fragen und glasklaren Antworten über Warum und Wieso, Leben und Tod. Das Leben ist nicht gerecht und der Tod schon gar nicht. Dann ist es aber auch wieder als ginge man in einen altmodischen Antiquitäten- und Kitschladen. Eine Welt mit Kitsch, Lüge und Illusion tut sich auf, der man sich mit etwas Skepsis nähert.

Plötzlich packt es einen aber doch und man kann sich nicht mehr losreißen. Man ist mitten drin im Nimmerland des Peter Pan, verliert aber nie den Kontakt zur rauen Wirklichkeit des Krankenhauses und bitteren Wahrheit der Krankheit. Und das hat mit der wunderbaren Schauspielerin Léonie Thelen zu tun, die den Zuschauer mit ihrer herben Stimme in dieses klinisch-weiße Gefühlskino mitnimmt, das ja eigentlich in der Palliativstation eines Krankenhauses spielt. Neben ein paar anderen Figuren verkörpert sie mit spielerischer Leichtigkeit den kranken Oskar und die Dame in Rosa, die sich als ehemalige Catcherin ausgibt, die Gott und die Welt und das Leben kennt wie keine andere, die immer Lösungen und Strategien parat hat, und die, wenn die Gegnerin mal sehr, sehr glitschig ist, sich mit einer Tüte Mehl zu behelfen weiß, um die Gegnerin in den Griff zu bekommen. Der „liebe Gott“ hat eben immer und für jeden eine Tüte Mehl bereit.

Wer jemals mehr als 35 DinA4-Seiten Text auswendig gelernt hat, wie ich zum Beispiel, weiß was das für ein Gedächtnismarathon ist. Und in Petra Dannenhöfer hat diese brillante Marathonfrau auch eine unauffällige, diskrete Regisseurin, die mit gekonnter, unauffälliger Licht- und Projektionstechnik eine Wolke 7 zum Davonschweben entstehen und diese Glückswolke zwei Stunden lang und trotz Pause auch nicht absacken lässt. Bewundernswert die spielastische Unangestrengtheit, mit der die zierliche Marathonläuferin Thelen mit dem flotten Mundwerk die zwei Figuren sich miteinander unterhalten lässt und diese verbale Spritzigkeit auch zwei Stunden lang nicht verliert. Auch in traurigsten Momenten verstreut sie liebevoll ihre witzigen Pointen und verbreitet im Angesicht des Todes eine gelassene, gelöste Heiterkeit. Fast genüsslich saugt man diese wunderbaren, kleinen, einfachen Botschaften und Wahrheiten des E-E Schmitt auf. Man wird fast süchtig nach diesen traurig-süßen Glückskeksen aus dem Poesiealbum und würde am liebsten heulen. Und nascht sich zu Tode und möchte am Ende nur noch mit Oskar einschlafen und sich nur vom lieben Gott wecken lassen.

Rudolf Waldemar Brem (Schauspieler), München

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Einen Tag wie zehn Jahre leben
Oskar und die Dame in Rosa von Éric-Emmanuel Schmitt

Premiere im Teamtheater Tankstelle München am 15.02.2013. “Oscar et la dame en rose” kannte ich aus dem Französischunterricht und der Text des französischen Philosophen und Dramatikers Éric-Emmanuel Schmitt hatte mich für eine Schullektüre schon auf ungeöhnliche Weise berührt. Zudem wurde die nun im Teamtheater München erstmals aufgeführte Inszenierung von Petra Dannenhöfer bei den Bayrischen Theatertagen 2012 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. (...)

Doch in den regelmäßigen Besuchen der alten Dame bei Oskar, ihren Unterhaltungen (...) und schließlich den Briefen, die der Junge an Gott verfasst, werden Fragen menschlicher Existenz aufgeworfen und die Absurdität des Status von gesund oder krank sein demonstriert. Diese Kammerspiel-Produktion zeigt eine begeisternde Solo-Nummer von Léonie Thielen, die sich mit großer Spiellust auf die beiden Hauptfiguren stürzt und in den jeweiligen Monologen oder Dialogpartien gleich noch ein dutzend Nebenfiguren zeichnet (...).

Die Solo-Darstellerin unterstreicht durch unterschiedliche Färbungen ihrer Stimme und mit subtiler Körpersprache sowohl Mme Rosas energische und fantasievolle Aufmunterungs-Bemühungen als auch Oscars Zweifeln oder die Wut auf seine feigen Eltern. Unterstützt wird sie von einigen wenigen ausgesuchten Requisiten und einem vornehmlich in weiß gehaltenem Bühnenraum, der freilich die Grundsituation Krankenhaus etabliert, gleichsam aber mehr Räume durch Wortkulisse eröffnen lässt. (...) Der Theaterabend besticht durch die Einfachheit seiner Mittel und ihren feinsinnigen Einsatz (...)

Aufgrund der starken Präsenz der Darstellerin, ihrer absoluten Konzentration auf die beiden Figuren, denen sie ihren Körper und ihre Stimme leiht, wird die besondere freundschaftliche Nähe von Mme Rosa und Oscar spürbar gemacht. Eine Nähe auch zwischen Léonie Thielen und dem Publikum. So wirken die humorvollen Pointen von Mme Rosas Geschichten ebenso wie das Leben des kleinen Oscars (...) tief anrührt. Die Wahl einer Solo-Darstellerin für diesen Text mag zudem als Hinweis darauf zu verstehen sein, dass die hier behandelten Themen für keine bestimmte Altersgruppe besonders geeignet sind, sonder schlicht jeden angehen. Damit setzt die Inszenierung – bewusst oder unbewusst – ein Zeichen gegen die Literaturkritik, die diesen Text Éric-Emmanuel Schmitts oft starren Blicks in die Kinder-und Jugendkategorie einzuordnen suchte.

Die Inszenierung eröffnet außerdem einen spannenden Zusammenhang von Theater und Tod bzw. Lüge und Spiel. Wenn Léonie Thelen als Mme Rosa am Schluss vom Tod des Jungen berichtet und erklärt, sie habe sich all die Geschichten für den Jungen nur ausgedacht, hat nicht nur sie etwas über das Leben gelernt. (...)

Antonia Tornado, theatertogo, 16. Februar 2013

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"Oskar und die Dame in Rosa" zu Gast im Bandhaus Theater Backnang

Jeder Tag zählt so viel wie ein Jahrzehnt

(...) Die Darstellerin Léonie Thelen verkörpert abwechselnd Oskar und die Dame in Rosa. Mit einfachsten Mitteln gelingt es ihr, Erzählperspektiven und Dialogsituationen auf der Bühne in Szene zu setzen und die jeweilige Zeit der Handlung anzudeuten. Sie beeindruckt dabei in ihrer vitalen Spielkunst, zu der auch die verschiedensten Stimmen als vielgestaltige Charakterisierungsmerkmale gehören. Das minimalistische Bühnenbild macht den Krankenhausparavent zu einem Fenster, durch das ein Kind lugt, und die weiße Rückwand eines Schrankes zum hell erleuchteten Kapellenraum, in dem man sich Jesus am Kruzifix vorstellen kann. Das körperliche Leid, erfährt Oskar dort, muss man ertragen, den seelischen Schmerz aber wählt man selbst aus, wer Vertrauen hat, kennt ihn nicht.

Es ist der Vielschichtigkeit und Leidenschaft von Léonie Thelens Spiel sowie der eindringlichen Musik zu verdanken, dass ein kaltes spartanisches Krankenzimmer mit ganz viel Leben gefüllt wird, und, nachdem Oskars Briefe an Gott immer kürzer gerieten, mit seinem unausweichlichen, aber würdigen Tod. Diese bewegende Inszenierung eines tragischen Schicksals überraschte auch durch einen befreienden Gegenpart: ansteckendes Lachen. Sie wurde vom Publikum in Murrhardt und Backnang so aufgenommen, wie Oskar sich seine Mitmenschen gewünscht hat: Mit Sensibilität, aber ohne falsches Mitleid. (...)

Carmen Warstat, bkz online, 4. November 2014