Image
Image
Image
Image

UND ES GEHT DOCH
VON THOMAS LETOCHA
70 MINUTEN, KEINE PAUSE



25.10. SO 19.00 UHR        ausverkauft
28 EURO / 17 EURO

07.11. SA 20.00 UHR
28 EURO / 17 EURO

08.11. SO 19.00 UHR
28 EURO / 17 EURO

27.11. FR 20.00 UHR       ausverkauft
28 EURO / 17 EURO

DAS STÜCK
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt: Ruth Westermann geht in die Residenz, der Begriff „Altersheim“ ist ihr zuwider. Sie wird bestimmt ein schönes Leben haben, denkt sie. Die Koffer sind gepackt, alles ist entschieden. Während Ruth auf ihren Sohn wartet, der ihr beim Umzug hilft, steigen in ihr Bilder aus der Vergangenheit auf. Immer war sie vernünftig und korrekt, immer hat sie sich so verhalten, wie es sich in einer bürgerlichen Gesellschaft gehört. In Ruth steigen Zweifel hoch: Soll es das wirklich gewesen sein? Ist die „Residenz“ nicht doch die Endstation, in der es nach verbrannten Rouladen und Desinfektionsmittel riecht und das einzige Lachen aus dem Radio kommt? Was wäre, wenn ihre Zukunft erst jetzt beginnt! Ohne Selbstlügen. Ohne diese ewige Ordnung, dieses Gefängnis der Vernunft. Wie wäre es auszubrechen, um endlich zu leben? Ein Stück, humorvoll, scharf und rebellisch, voller Ironie, Sehnsucht und Hoffnung.

ES SPIELT:
LÉONIE THELEN

REGIE:
PETRA DANNENHÖFER

DRAMATURGIE:
GANNA MADIAR

REGIEASSISTENZ:
JOSCHUA DAHMEN

TECHNIK:
JÜRGEN BEHL
PHILIPP DEGÜNTHER

 

Interview mit Léonie Thelen und Petra Dannenhöfer
Podcast von Carola Feddersen, 01.09.2020
Sprecherin: Monika Elsenhans

 

PRESSESTIMMEN
 

Altersheim oder auf in ein neues Leben?
Komödie „Und es geht doch“ feiert im Kleinen Theater Welturaufführung

Facettenreich, humorvoll und authentisch spielt Léonie Thelen Ruth, eine ältere Dame, die in eine luxuriöse Seniorenresidenz umziehen soll.

Ruth sitzt in ihrer leeren Wohnung. Nur noch ein paar Umzugskartons stehen herum. Gleich wird sie ihr Sohn abholen, nicht zu sich, sondern in ihr neues Domizil in einer luxuriösen Seniorenresidenz. Ruth bleibt noch etwas Zeit sich zu erinnern. Sie beginnt in den Kartons nach Zeitungsartikeln zu kramen, um ihre Argumentationen zu belegen, stößt auf Gegenstände, die sie an einst erinnern, bringt die Zeitebenen durcheinander, und ihr Geschimpfe ins Telefon ohne zu schauen, mit wem sie telefoniert, wird zum Running Gag.

Es ist nicht der Sohn, sondern nach einem Paket wird gefragt, dessen tickender Inhalt sie zunächst sehr beunruhigt, dann die Erinnerungen beflügelt, wobei Ruth durch trocken ironische Bemerkungen trotz ernster Thematik immer wieder witzige Volltreffer landet.

So entspinnt sich ein abendfüllender assoziativer Monolog als Rückblick auf die kleinen Höhepunkte und menschlichen Kontakte eines durchschnittlichen Lebens und ein kritischer Blick auf die Zukunft in der Seniorenresidenz.

Ruth, eine ältere, verwitwete, immer noch gut aussehend, flott in Schwarz gekleidete Dame, sehr distinguiert und lebensklug, ist eine Paraderolle für Léonie Thelen. Mit ihrer klaren, empathischen Stimme, zuweilen etwas schnoddrig burschikosen Artikulation, bewegter Mimik und ihrem authentischen Spiel unter der exakten Personenregie von Petra Dannenhöfer zieht sie das Publikum in ihren Bann. Ja, so könnte dieses Leben gewesen sein. Man glaubt ihr jeden Satz und versteht, warum sie sich während des Wartens zwei, drei Gläschen Wein gönnt. Thomas Letochas Text wirkt leicht, zielt auf die positiven Erinnerungen einer Frau mit ironisch kritischem Reflexionsvermögen. Beides setzt Léonie Thelen mit charmanten Ansätzen beginnender Demenz, herrlich selbstironisch, humorvoll, oft bissig, zuweilen verträumt auf der Bühne um.

Die Identifikationsfigur eines geglückten Lebens

Sie macht Ruth zur Identifikationsfigur eines geglückten Lebens, die ganz genau um die Bedeutung des Scheins gegenüber dem Sein weiß. Pünktlichkeit und Ordentlichkeit sind absolut wichtig. Mit einer Brunello-Fahne in der Residenz anzukommen, geht gar nicht. Léonie Thelen spielt das mit empathischem Witz, ohne ins Groteske abzugleiten und offeriert hinter Ruths kleinen Aufgeregtheiten und schusseligem Durcheinander eine unerwartete altersbedingte Abgeklärtheit, die die Absichten von Sohn und Enkelkindern durchschaut und die Kunst des harmonischen Kompromisses, wodurch eine Ehe Jahrzehnte überdauern kann, voll beherrscht. „Nein, wegen einer Liebelei verlässt man nicht den Ehemann.“

Und doch gibt die Aussicht auf Liebe, ihren Zwei-Tage-Liebhaber wiederzusehen, ihr noch einmal die Kraft, das Leben entscheidend zu verändern. „Und es geht doch“ ist die rosarote Botschaft, die als Aufmunterungsparole bestens in die derzeitige Pandemie-Landschaft passt.

Bei den 30 Zuschauern, mehr sind im Kleinen Theater derzeit nicht erlaubt, kam das Stück bestens an. 20 Besucher waren online bei der Premiere dabei, unter anderem Intendant Sven Grunert. Er freut sich über die Qualität des Streamings, womit das Kleine Theater seiner Ansicht nach ganz vorne in der Liga dieser innovativen Theaterentwicklung mitspielt.

Michaela Schabel, Landshut aktuell, 7. Oktober 2020

-----

Der entscheidende Tag
Uraufführung: Petra Dannenhöfer inszeniert Thomas Letochas „Und es geht doch“ am Kleinen Theater Landshut.


Es ist einer der letzten entscheidenden Tage im Leben: der Auszug aus der eigenen Wohnung vor dem Einzug ins Seniorenheim, das man heute lieber Residenz nennt, weil das weniger traurig klingt. Da zieht man natürlich eine Bilanz des bisherigen Daseins auf Erden. Ruth Westermann sitzt also auf der Bühne neben ihren gepackten Kisten und erzählt dem Publikum aus ihrem Leben: glücklich verheiratet, seit einem Jahr Witwe, eine Affäre gab es, aber sonst viele glückliche Ehejahre.

Und nun wartet sie auf ihren Sohn, der sie ins Heim bringen soll. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier mal ausziehe.“ Sie zählt die Annehmlichkeiten auf, die sie in der Residenz erwarten, sie hat sie ja schon bei einem Probebesuch kennengelernt, aber eigentlich klingt alles schon bald recht wenig verlockend. Und so ist es weder verwunderlich noch für den Zuschauer sehr überraschend, dass diese Ruth Westermann schnell doch keine Lust mehr auf den Gang ins Heim hat. Dieser Tag zwischen eigener Wohnung und Heimplatz hätte durchaus reichlich Stoff für ein Theaterstück hergegeben. So richtig will dieses Stück „Und es geht doch“ von Thomas Letocha, das zur Spielzeiteröffnung am Kleinen Theater in Landshut uraufgeführt wurde (Regie: Petra Dannenhöfer), aber nicht zünden. Das liegt vor allem am Stück selbst, das arg vorhersehbar ist. Und in das noch die ständigen Anrufe einer Frau, deren Handtasche in einem Päckchen bei Ruth Westermeier abgegeben wurde, hineingeschraubt wurden.

Für die Handlung bringen diese Anrufe wenig. Zum Wachkitzeln der Sehnsucht nach Freiheit hätte es auch ein weniger künstlicher Impuls getan. Und warum die Unbekannte einen riesigen Wecker in ihrer winzigen Handtasche transportiert, bleibt offen. Vor allem aber fragt man sich den ganzen Abend: Was will diese agile Frau, als die Léonie Thelen da im flotten Kleid zu uns spricht, in einem Heim? Hat ihr Sohn wirklich eine solche Macht über das Leben seiner Mutter, die so gar nicht lebensmüde wirkt? So schwankt dieser Solo-Abend etwas unentschlossen zwischen Komödie und Tragödie. Und ausgerechnet den alles entscheidenden Sinneswandel dieser Ruth Westermann kann das Stück nicht nachvollziehbar erklären.

Philipp Seidel, Landshuter Zeitung, 5. Oktober 2020