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Unser Auftaktstück zum 30. Jubiläum
WEM GEHÖRT UNSER LEBEN?
GOTT

VON FERDINAND VON SCHIRACH
90 MINUTEN, KEINE PAUSE

28.-- / 17.--EURO
PREMIERE: 30.-- / 19.--EURO

Zum    RESERVIEREN      über Theaterkasse
oder Karten kaufen über Reservix:

23.02. DO 20.00 UHR    KARTEN  

24.02. FR 20.00 UHR    KARTEN  

17.03. FR 20.00 UHR    KARTEN   

18.03. SA 20.00 UHR    KARTEN   

31.03. FR 20.00 UHR    KARTEN   

01.04. SA 20.00 UHR    KARTEN  

DAS STÜCK
Ferdinand von Schirach: Schriftsteller, Jurist, Meister der knappen Sätze und ausgesprochenen Wahrheiten. Bekannt geworden durch die polarisierenden Romane „Verbrechen“, „Schuld“, „Die Würde ist antastbar“ und das Theaterstück „Terror“, bei welchem am Schluss das Publikum als Jury fungiert.

Der Ethikrat tagt. Was gebietet der hippokratische Eid und ist er veraltet? Ist Medizin eine Dienstleistung? Eine Berufung? Sind Heilung oder bedingungslose Hilfe Sinn und Zweck des Arztberufs? Schweigen. Ist unser Leben immer noch heilig? Man fragt einen Bischof, ob Jesus für unsere Sünden freiwillig starb. War Jesus... suizidal? Ist Selbstmord egoistisch und wem geht es schlechter: dem Gestorbenen oder den Angehörigen? Wer trifft die Entscheidung, ob jemand gehen darf: der Mensch oder das System? Die Fragen überfordern die herkömmliche Moral, diese Fragen überfordern die Figuren. Man verliert sich in philosophischen Diskussionen und ist von der Wahrheit weiter entfernt als je zuvor. Über manche Dinge mag man nicht nachdenken. Klar ist nur eins in „Gott“: Das Leben ist ein Geschenk. Und Geschenke darf man zurückgeben, nicht wahr?

Vorsitzende: „Meine Damen und Herren, ich eröffne diese Sitzung des Ethikrates, sie ist öffentlich. Ganz herzlichen Dank, dass Sie heute gekommen sind. Der Rat ist dieses Mal auf eigenen Entschluss tätig geworden.“

ES SPIELEN:
Frau Gärtner: PETRA EINHOFF
Vorsitzende des Ethikrates: LOUISA STROUX
Brandt (Augenarzt): RUDI KNAUSS
Biegler (Anwalt): JULIUS BORNMANN
Litten (Rechtssachverständige): KATJA AMBERGER
Keller (Mitglied des Ethikrates):
ANNA SCHUMACHER
Sperling (Mediziner): SVEN HUSSOCK
Thiel (Bischof): ANDREAS SIGRIST

REGIE:
SVEN GRUNERT

DRAMATURGIE & TEXT:
GANNA MADIAR
DR.  KONSTANZE CAYSA

BÜHNE:
HELMUT STÜRMER

KOSTÜME:
IRINA KOLLEK

REGIEASSISTENZ:
LEA SPRENGER

MASKE:
SANDRA BRUNNER

REQUISITEN:
JASMIN GRAN

TECHNIK / LICHT:
MICHELE LUPI

LIVE VIDEOSCHNITT / TON:
ALONA DOMASHEVA

AUFFÜHRUNGSRECHTE:
GUSTAV KIEPENHEUER
BÜHNENVERTRIEBS-GmbH

PREMIERE:
7. OKTOBER 2022


 

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PRESSESTIMMEN

Wem gehört mein Leben?
Mit Ferdinand von Schirachs „Gott“ bringt Sven Grunert im Kleinen Theater in Landshut ein hochaktuelles Diskursstück über Suizid auf die Bühne.

Endlich ist Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Gott“ (2020) in Landshut zu sehen. Das Kleine Theater beweist damit erneut den Mut, auf der Bühne einen Text zu verhandeln, dessen Thema konträr diskutiert wird. Darf der Mensch durch Suizid sein Leben beenden oder nicht?

Ferdinand von Schirachs Text ist exzellent und macht Theater über ein die Gesellschaft bewegendes Thema zum Ort der geistigen Auseinandersetzung und persönlichen Positionsfindung. In beharrlichen Frage-und-Antwort-Dialogen findet er Pro- und Contra-Argumente quer durch die abendländische Kulturgeschichte. Ohne jegliche Handlungsdramatik wird der Diskurs unter der Regie von Sven Grunert so doch spannend.

Wie bei einer realen öffentlichen Versammlung formieren sich die Gäste, während die Zuschauer noch plaudern. Dann beginnt die Sitzung. Stille. Nur ein als Röntgenbild projiziertes Herz pulsiert. Der Ethikrat beginnt zu tagen.

Um gut ein Viertel gekürzt, zählt jeder Satz in diesem argumentativen Schlagabtausch. Die statische Konzeption belebt Sven Grunert gekonnt durch Live-Projektionen. Dadurch rücken die Sprechenden, aber vor allem auch die Angesprochenen in den Mittelpunkt. Die Augen im Rechteck der Schärfenfokussierung spiegeln die persönlichen Emotionen, enthüllen Ressentiments und konterkarieren damit zuweilen die klug gewählten Worte.

Vier Frauen und vier Männer sitzen im Ethikrat. Die Vorsitzende begrüßt, von Louisa Stroux etwas unsicher, mit dunkler Dialektfärbung dargestellt, als mache sie die bevorstehende Sitzung nervös. Sie interveniert sehr harsch, wenn der Anwalt allzu sicher und ironisch auftritt. Doch ihre Strenge verkörpert sehr gut die institutionelle Kälte und Voreingenommenheit des Ethikrats. Ihre Stimme wirkt kalt, schneidend, ihr Bedauern für die Witwe formell, ohne Verständnis.

Ganz anders die 68-jährige Antragstellerin. Petra Einhoff gelingt der Spagat, den Wunsch dieser Witwe, trotz zweier Kinder und dreier Enkelkinder das Leben beenden zu wollen, authentisch darzustellen. Physisch und psychisch gesund, sind ihre Augen, der Hälfte ihres Ichs beraubt, leer und traurig. Zu sehr hat sie den langen Todeskampf ihres Mannes miterleben müssen.

Schon der Augenarzt verweigert die Hilfe

Sie will nicht in dieselbe Situation geraten, will sich weder erhängen noch aus dem Fenster stürzen noch in die Schweiz fahren. „Mach es richtig!“ Die letzten Worte ihres Mannes will sie realisieren und „ordentlich sterben“, weshalb sie in der Öffentlichkeit für Suizid kämpft, unterstützt von den Argumenten einer Rechtssachverständigen, die Katja Amberger im roten Blusenmantel sehr engagiert und rhetorisch gewandt in Szene setzt.

Doch die Unterstützung für assistierten Suizid hört schon beim Augenarzt auf. Von Rudi Knauss überzeugend mit eigenen Gewissenskonflikten gezeichnet, weigert er sich, ihr die tödlichen 15 Gramm Natrium-Pentobarbital zu verschreiben. Dieses Beharren auf dem geleisteten Eid der Ärzte, Leben zu bewahren, baut der Vorsitzende der Bundesärztekammer durch medizinische Exkurse, flächendeckende palliative Versorgung und Warnung vor negativen gesellschaftlichen Veränderungen aus, ohne letztlich schlagkräftige Argumente für ein Verbot von Suizid zu finden.

Dabei lässt Sven Hussock mit verdrücktem Blick und leicht gebuckelter Haltung die moralische Fragwürdigkeit dieses Mediziners immer stärker aufleuchten, der weniger an den Patienten als an der eigenen Macht interessiert zu sein scheint. „Das Ethos der Ärzte steht über dem Ethos der Gesellschaft“. Entsprechend „abstoßend“ und „arrogant“ wirkt er, wie es die Witwe treffend beschreibt.

Mit zunehmender Argumentationslust hebelt Julius Bornmann die konträren Behauptungen aus. Wird Freiheit tatsächlich zum Zwang? Alle Problematiken und befürchteten ethischen Dammbrüche kommen auf den Tisch. Von der Gefahr der Beseitigung „unwerten Lebens“ bis zur Aufforderung der Kinder und Enkel, der Großvater solle doch endlich sein Leben zugunsten der Erben beenden, und der religiösen Forderung, nur Gott, der das Leben gegeben habe, dürfe es beenden.

Während ein Mitglied des Ethikrats (Anna Schumacher) in adrett weißer Bluse eifrig und wissbegierig ohne jegliches kritisches Bewusstsein die Fragen den Suizidgegnern mundgerecht serviert, paraphrasiert Bornmann als Anwalt die Antworten und überspitzt sie mit absurden Schlussfolgerungen. Trotz der Verwarnungen der Vorsitzenden bohrt er ironisch weiter, stellt mit hochgezogenen Augenbrauen Argumente in Frage, verändert, selbstbewusst das Terrain erobernd, seinen Standort, geht mitunter die Treppen hinauf mitten ins Publikum, um sich als Vertreter der Öffentlichkeit zu platzieren. Mit einem ironischen „Ich verstehe das nicht“ bringt er den Bischof in die Bredouille.

Doch mit Andreas Sigrist entwickelt der Kirchenhirte, Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz, trotz aller dargelegten klerikalen Widersprüche eine charismatische Aura. „Das Leben ist Leiden“, bekennt er. Im Ertragen des Leidens liegt der Sinn des Lebens. Damit beeindruckt er selbst den Anwalt. Doch als Quintessenz bleibt: Allein der Glaube ist Bollwerk für den Suizid.

Wie schon in „Terror“ lässt Ferdinand von Schirach am Ende der Diskussion das Publikum abstimmen. Rote Karte gegen Suizid, die grüne dafür. Das Ergebnis wird im Gegensatz zu „Terror“ nicht auf der Bühne bekannt gegeben. Doch in dem durchsichtigen Wahlbehälter am Theatereingang schimmern nach der ausverkauften Vorstellung durch das Grün nur ganz wenige rote Karten. Diese Inszenierung sollte man sehen.

Michaela Schabel, Landshuter Zeitung, Schabel-kultur-blog, 10. Oktober 2022


FACHKRITIK

Es ist die pure Nüchternheit, die einen empfängt. Graue Quadrate, die eine Rückwand bilden und an abgehängte Decken von Großraumbüros erinnern. In akkurater Geometrie aufgestellte Tische, Laptops darauf, grauer Boden. All das signalisiert Distanz, Kühle, Rationalität. Doch innerhalb kurzer Zeit wird es ein Raum, in dem Hüllen fallen und es um eine große Frage menschlichen Lebens geht – eine universelle Frage, die die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigt: Darf man einem anderen Menschen dabei helfen, sich umzubringen? In „Gott“ wird diese Frage noch auf die Spitze getrieben. Es ist kein Mensch, der schwer krank ist oder an tiefer Depression leidet. Frau Gärtner ist ein Mensch, der nicht mehr leben möchte. Weil sie nach dem Krebstod ihres Mannes keinen Lebenssinn mehr findet.

In der Kühle des Raums kommt der Ethikrat zusammen. Die graue Wand wird zur Videoleinwand, auf der immer wieder abwechselnd die Gesichter der Protagonisten auftauchen: grau, schattig – völlig reduziert.

Es werden emotionale Wortgefechte und nüchterne Analysen gefahren. Und jeder ist nicht nur Repräsentant einer Institution, einer gesellschaftlichen Haltung, sondern auch Repräsentant eigener Geschichte, Widersprüche und Sehnsüchte. Der präzise und analytische Herr Biegler kann der Versuchung nicht widerstehen, zu polemisieren, um andere herabzusetzen und mit seiner Eloquenz zu leuchten. Der Vertreter der Bundesärztekammer ist völlig dem Standesdünkel und der Bräsigkeit seiner machtvollen Institution verfallen. Ein Bischof, der den Eindruck vermittelt, als würde er auch darum kämpfen, die Erschütterung der Kirche mit seiner eigenen Biografie in Einklang zu bringen. Es entsteht Dynamik, immer wieder Tempo, Bewegung im Raum.

Die Besetzung ist unheimlich stimmig.

Kommt die Inszenierung zur rechten Zeit? Unbedingt. In einer Zeit, in der die Diskursfähigkeit und die Fähigkeit, Dinge auch auszuhalten, immer mehr verloren geht, ist das ein Stück, das die Schwierigkeit gesellschaftlicher Wahrheitsfindung in vielen Facetten zeigt. Und das deutlich macht, wie entscheidend das Gehörtwerden ist..

Redakteur Emanuel  Socher-Jukić


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